Vereinsgeschichte

Der Aquarien- und Terrarienverein „Andreae“ Hildesheim von 1911 e.V.

Am 1.5.1911 gründeten 10 Mitglieder den Aquarien und Terrarienverein in Hildesheim. Schon 1913 wurde die erste Ausstellung durchgeführt. Trotz des Ersten Weltkrieges hatte man 1921 schon 43 Mitglieder, davon 13 Jugendliche. Es folgte die zweite Ausstellung. Hier sah die Bevölkerung erstmals Skalare, damals eine Sensation. 1927 schloss sich der Verein dem VDA (Verband der Aquarianer) an. Der Zweite Weltkrieg brachte einige Rückschläge und so drohte Anfang der 50er Jahre dem Verein die Auflösung. Doch 1961 feierte man erfolgreich das 50jährige Bestehen des Vereins. 1991 zum 80jährigen Bestehen gab es dann nach langer Zeit wieder eine Ausstellung. Hier wurden Fische aus allen Teilen der Welt gezeigt. 1992 wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen und damit gemeinnützig.

Heute hat der Verein 25 Mitglieder. Zahlreiche bekannte und erfahrene Aquarianer halten Vorträge auf den Vereinsabenden, die einmal im Monat stattfinden. Namen wie Ingo Seidel, Hans-Georg Evers, Gerhard Ott oder Prof. Wolf-Rüdiger Metje sind im Verein keine Unbekannten. Fische, Amphibien und Lurche, aber auch Wasserpflanzen und der technische Aspekt gehören zu den Themen des Vereinsabends. Besonders der Austausch von eigenen Erfahrungen ist uns wichtig .  Aber auch Zierfischzüchter geben gern Tipps und Tricks weiter. Seit 2007 führt Barbara Kalla-Heller (1. Vorsitzende) den mittlerweile über 100 Jahre alten Verein an und löste damit Karl-Heinz Wolde (22 Jahre) und Armin Senger (13 Jahre) ab.

Jeder, der Lust hat, sich einmal unseren Vereinsabend anzuschauen, ist gern eingeladen. Gehalten werden Vorträge über Killifische, Panzer- und Harnischwelse, über Arterhaltung und Zucht anhand von Lebendgebärenden und vieles andere mehr. Sie können uns auch gern vorab eine E-Mail schicken oder anrufen.

 

„Zum Gedenken an Karl-Heinrich Wolde“

In einem längst vergangenen Sommer gewährte uns Karl-Heinz Wolde die Gelegenheit, aus seinem langjahrzehntigen Aquarianerleben zu berichten. Es ist doch immer spannend, Historisches aus erster Hand erfahren zu dürfen. Wir hatten natürlich noch einen weiteren Gedanken, Karl-Heinz feierte im folgenden November seinen 90. Geburtstag!

Nun wollen wir die Schilderungen von Karl-Heinz Wolde nicht vorenthalten. Alles begann im November 1924 im Schlesischen. Wie bei so vielen Aquarianern wurden die Wurzeln im frühen Kindesalter gelegt. 1934 wurden jährlich Stichlinge aus einem nahen Wehr gefangen und in einem Gefäß gehältert. Der nächste Entwicklungsschritt erfolgte dann 1937 mit dem Umzug nach Breslau. Karl-Heinz erhielt eine Fischglocke. In diese zogen zunächst drei Guppy-Männchen ein. Im Folgejahr kamen weitere Warmwasserfische dazu. Der Stückpreis pro Tier lag wohl so bei 60-70 Pfennig. Das war seinerzeit sehr viel Geld. 1939 zog Familie Wolde dann nach Dresden um. Die Fischglocke war mit dabei. Nun war es auch Zeit für eine Weiterentwicklung. Die Fischglocke wurde durch ein 60L-Vollglasbecken ersetzt, ein erstes richtiges Aquarium. Ab etwa 1941/42 betrieb Karl-Heinz ein erstes Rahmenbecken mit Kitt und einer Kantenlänge von etwa 40 cm, was eine feine Sache war. Dieses ging dann durch einen Bombenangriff verloren. Der Krieg forderte seinen Tribut und unterbrach so viele aquaristische Aktivitäten. Ende 1942 wurde Karl-Heinz Wolde zur Wehrmacht eingezogen, wo er zuletzt in Kurland im Einsatz war. Von hier ging es am 8.Mai 1945 mit dem Schiff über die Ostsee nach Schleswig-Holstein.

Beruflich war Karl-Heinz nach dem Kriege in der Landwirtschaft tätig. Das erlaubte allerdings keine aquaristischen Aktivitäten, höchstens mal ein Glas mit einheimischen Fischen. Erst 1959 ergab sich inzwischen in Hildesheim angekommen wieder die Gelegenheit, ein Aquarium in Betrieb zu nehmen. Von da an blieb Karl-Heinz der Aquaristik treu. Er schaute ab etwa 1959/60 beim Hildesheimer Aquarienverein Andreae vorbei. Ab 01.01.1961 war er dann festes Mitglied, allerdings ohne Aufnahmeantrag, wie Karl-Heinz betonte. Hier waren die Herren Heinz Lampe und Seibt nicht ganz unbeteiligt.

In den 70er Jahren standen kleine Bärblinge der Gattung Boraras ganz hoch im Kurs, zum Beispiel B. maculata oder B. brigittae. Letztere brachte er zur Nachzucht. Auch Garnelen bewohnten schon seine Becken. Es wurden aber keine großen Mengen an Arten gehalten. 1979/80 beschäftigte sich Karl-Heinz auch mit der Nachzucht von Bienen-Garnelen.

Die Aquarienpflanzen hatten Karl-Heinz ebenfalls nicht unberührt gelassen. Als Anfang der 90er Jahre Friedel Möhlmann verstarb, übernahm er einige seiner Pflanzen, Cryptocoryne moehlmanni oder Cryptocoryne pontederifolia. So ist Karl-Heinz Wolde von an Anfang an beim VDA-Arbeitskreis Wasserpflanzen dabei gewesen (1982). In den BSSW ist der Hildesheimer Verein über die Mitgliedsnummer von Karl-Heinz eingetreten, das auch von Anfang an. Bei den Veranstaltungen der Regionalgruppe Niedersachsen in Langenhagen ist Karl-Heinz neben anderen Hildesheimer Aquarienfreunden regelmäßig aktiv dabei. Auf VDA-Ebene berichtet er uns von Bezirkstagen und Bundeskongressen, an denen er ab Anfang der 80er Jahre regelmäßig teilnahm. Hier kann nicht unerwähnt bleiben, dass der Hildesheimer Verein 1981 selbst Ausrichter des VDA-Bundeskongresses war. Karl-Heinz Wolde war daran maßgeblich beteiligt. So übernahm er auch bis ca. 1994 den 1.Vorsitz im Vorstand des Hildesheimer Aquarienvereines Andreae. Dabei darf auch nicht vergessen werden, die Jugendarbeit. Karl-Heinz war bis in die letzten Jahre stets in diesem Bereich sehr aktiv.

Zum Schluss waren wir noch mal neugierig, was denn so zusammengefasst seine Lieblingsfische sind:

Wie bereits oben erwähnt, die kleinen zierlichen Vertreter sind es, Rasbora- und Boraras-Arten, Keilfleckbärblinge (Trigonostigma hengeli) und Funkensalmler (Hyphessobrycon amandae). Er erinnerte in diesem Zusammenhang an eine Vereinsausstellung im Jahre 1991, bei der ein Pflanzenbecken mit Leuchtaugen-Rasboren als Blickfang von allen bewundert wurde.

Karl-Heinz Wolde

Leider verstarb unser langjähriger Vorsitzender, Mentor und guter Freund     2017 für uns viel zu früh!

Wir werden ihn nie vergessen!

Armin Senger / Eckhard Fischer