Synodontis nigrita

Altes Eisen rostet nicht – ein Fischrentner im besten Alter

An anderer Stelle hatte ich bereits 2005 bzw. Anfang 2006 über einen guten alten Freund berichtet. Rund 30 Jahre hatte er zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Buckel. Und er ist immer noch schwer auf Draht. Wir schreiben mittlerweile das Jahr 2018 unserer Zeitrechnung und demzufolge dürfte mein Freund so seine 42 Lenze zählen. Es handelt sich um einen Synodontis nigrita  (VALENCIENNES, 1840), der mich quasi bisher so über ¾ meines Lebens begleitet hat. Doch wie hat alles angefangen.         

Am Anfang des Jahres 1972 ereilte mich mit Unterstützung meiner Mutter der Aquaristikvirus. Nach einigen Jahren mit so einigen der sogenannten „Anfängerarten“ wurde ich dann etwa 1976 auf den rückenschwimmenden Kongowels Synodontis nigriventis (DAVID, 1936) aufmerksam. Folglich entwickelte ich Nachforschungsaktivitäten unter Beachtung des zur Verfügung stehenden Finanzetats. Ein entsprechendes Wassertier sollte erstanden werden. Doch das konzentrierte Abklappern die Zoogeschäfte im heimatlichen Wolfsburg erbrachte nur Frust, „kein Dampf auf der Leitung“. Eines Tages, im Sommer 1976, ergab sich der Zufall, dass ich mit meinem Vater nach Braunschweig zur fachlichen Erkundung fahren konnte. In einem alteingessenen Zoofachgeschäft wurde ich vermeintlich fündig. In einem der Verkaufsbecken paddelten einige Synodontis herum, bei denen es sich laut Ausschilderung um den gesuchten Rückenschwimmer handeln sollte. Ohne große Überlegung wurde zugeschlagen und ein Tier für wenige Deutsche Mark (die gab´s zu dieser Zeit noch) erstanden. Zu Hause bezog das fiederbärtige Wassertier in ein 70L-Becken ein. Nun begann aber eine Zeit voller Fragezeichen. Mein neuer Freund zeigte nämlich wenig Gelüste, seine Rückenschwimmerkünste vorzuführen. Zudem wuchs das Tierchen possierlich, aber kontinuierlich auf eine Endgröße von etwa 22 cm im Jahre 1979 heran. Irgendwas stimmte da nicht! Um es kurz zu machen: Gedanken zur Klärung der Fragezeichen habe ich natürlich schon vor 1979 angestellt. Mittlerweile musste der Fiederbart in ein größeres Becken umziehen. Aber was war hier los?

Aus den zur Verfügung stehenden Büchern konnte ich nach einiger Zeit feststellen, dass es sich nicht um den gewünschten Rückenschwimmer, sondern um einen männlichen Dunkelgefleckten Fiederbartwels Synodontis nigrita (VALENCIENNES, 1840) handelte. Dieser sieht seinem kleinen Bruder im Jugendalter sehr ähnlich, und ich erfuhr später, dass Verwechselungen nicht ungewöhnlich sind/waren. Auch der echte Rückenschwimmer kam mir später auch noch ins Haus, allerdings in ein anderes Aquarium. Doch der falsche Rückenschwimmer ist bis heute ein treuer Weggefährte geblieben.

Der Nigrita bewohnt bis heute ein 320 L-Becken mit ein paar anderen afrikanischen Welskollegen, einigen afrikanischen Salmlern und asiatischen Barben. Ich achte auf eine gute Wasserhygiene (monatliche Wasserwechsel und Filterreinigungen), abwechselungsreiche Fütterung (Frostfutter, unterschiedliches Flockenfutter, z.B. mit pflanzlichen Anteilen). Die durchschnittlichen Wasserwerte liegen bei etwa knapp über pH 7 und einer Gesamthärte von etwa 8° dGH.

Diese Fürsorge hat sich mein fiederbärtiger Freund allemal verdient, denn er hatte auch dürftigere Zeiten mitmachen müssen. Beispielsweise führte der Nigrita während meiner Bundeswehrzeit und einem Teil der anschließenden Studienzeit zu Hause in Wolfsburg ein Eremitendasein. Erst 1984 fand ich dann in Braunschweig (wo ich mittlerweile studierte) eine ausreichend große Behausung, um meinem Kumpel ein entsprechend passendes Aquarium bieten zu können. So musste er im Lauf der Jahre auch mehrere Umzüge und „Krankheitsepidemien“ mit durchstehen. Ein Artgenosse, den ich ihm 1986 zur Seite gestellt hatte, ist bei einem Umzug 1988 trotz aller Sorgfalt gestorben. Seitdem konnte ich meinem Freund allerdings solche Herausforderungen ersparen und hoffe, dass er noch lange an Bord bleibt.

Mittlerweile bin ich zu einem kleinen Fiederbartwels-Fan mutiert und pflege unterschiedlichste Synodontis-Arten, die sich allgemein als ausdauernde, interessante Aquarienbewohner erwiesen haben. Sicher bietet sich für Welsfans noch viel Neuland, zum Beispiel bei Nachzuchtversuchen.

Eckhard Fischer, Aquarienverein Hildesheim

Literatur:

Colditz, G.: Fiederbartwelse – Aquarienfische aus Afrika, Natur-Verlag, Augsburg, 1991

Seegers, L.: Die Welse Afrikas, Tetra-Verlag, Berlin, 2008

(Bild: K.A. Quante)

Synodontis nigrita (Bild: K.A. Quante)

(Bild: K.A. Quante)

Synodontis nigrita (Bild: K.A. Quante)