Pa Bon – Thailand

Pa Bon

Im Rahmen einer aquaristischen Reise im Jahre 2003 in den südwestlichen Teil Thailands war ich unter anderem auf der Suche nach dem roten Keilfleckbärbling Trigonostigma espei. Da ich zusammen mit meiner Frau unter anderem in der Provinz Krabi unterwegs war, suchte ich alle Fundorte, die Werner Seuß im Jahr 1992 besucht hatte auch auf. Obwohl er schrieb, dass die Roten Keilfleckbärblinge dort so reichlich vorkommen, dass er Sie dauernd im Netz gehabt habe, bekam ich nicht eine T. espei zu sehen, geschweige denn zu fangen. Auch unser einheimischer Fahrer merkte, wie verzweifelt ich war. Er dachte wohl, mich ein wenig aufmuntern zu müssen: Er schlug vor, einen mir unbekannten Ort etwa 30 Kilometer nördlich von Ao Nang anzufahren. Ich erkundigte mich nach dem Namen und der Lage auf meiner Karte. Er nannte den Ort Pa Bon und deutete auf einen unbeschrifteten Punkt meiner Karte. Weiterhin äußerte er, der Ort sei dort nicht eingezeichnet, da es sich um ein Ausflugsziel der einheimischen Bevölkerung handele.

Auf der Fahrt dorthin war ich natürlich ein wenig skeptisch, denn die Thais haben sicherlich eine etwas andere Vorstellung von einem schönen Platz für Aquarianer. Tatsächlich fanden wir dort auch keine roten Keilfleckbärblinge. Aber es ist wohl einer der schönsten Plätze, die sich ein aquaristisch interessierter Mensch vorstellen kann!

Wir standen an einem glasklaren Quellfluss, an dem über und unter Wasser riesige Bestände von Cryptocoryne ciliata (Gewimperter Wasserkelch) wuchsen. Der gesamte Uferbereich war zwischen den Wurzeln der am Ufer stehenden Bäume mit dem Bewimperten Wasserkelch, so der deutsche Name, bewachsen. Nachdem wir uns satt gesehen hatten, dokumentierten wir den schönen Ort fotografisch. Der Wunsch, dieses Biotop auch unter Wasser zu sehen, war nicht mehr zu bremsen. Auf solchen Touren habe ich immer meine Schnorchelausrüstung dabei.

Beim Eintauchen ins Wasser merkte ich, dass es hier mit den gemessenen 25°C deutlich kühler war als in vielen anderen Gewässern, die stets Temperaturen deutlich oberhalb von 27 °C aufwiesen. Der erste Blick durch die Schnorchelbrille wahr so überwältigend, dass alle Gedanken darüber verflogen. Es waren nur einige wenige Stellen nicht mit Cryptocorynen bewachsen: Wasserkelche, soweit das Auge blicken konnte. Die Sicht schien in dem klaren Wasser unendlich. Nur dort, wo ein Hang oder ein Uferstück war, wurde die Sicht getrübt. Die Strömung war sehr stark. Es kostete Mühe und Kraft, sich auf der Stelle zu halten, geschweige denn gar gegen den Strom anzuschwimmen. Am Ufer waren außer Cryptocorynen auch Ableger von typischen Mangrovegewächsen zu sehen und viele ins Wasser hängende Wurzeln sowie Äste.

In der Sonne des tropischen Nachmittags konnte ich gegen die helle Wasseroberfläche blicken: es war unmöglich zu sagen, wo der Wald von Cryptocorynen begann und wo er endete. Ich versuchte diese Stimmung und den Anblick mit meiner Unterwasserkamera festzuhalten. Sonst glaubt einem doch keiner der zu Hause gebliebenen Aquarianerfreunde!

An Fischen konnte ich beobachten: Rasbora parvei, Puntius binotatum, Halbschnabelhechte der Gattung Dermogenis, Grundeln, sehr schöne Mangrovenbarsche sowie mindestens zwei Arten von Argusfischen.

Letztere bestätigten mir, daß es sich um einen Bereich mit Meerwassereinfluss handeln musste, was auch die gemessenen Wasserwerte zeigten, der elektrische Leitwert betrug 680-800 µS/cm, der pH Wert lag bei 7,5-8,0.

Bei meinen anschließenden Fangversuchen konnte ich dann noch sehr schöne Glasbarsche sowie Reisfische der Gattung Oryzias erbeuten! Diese zwei Arten erwiesen sich aber leider als sehr transportempfindlich, sodass ich keine Tiere hiervon lebend mit Heim bringen konnte!

Nach diesen doch sehr beeindruckenden Erlebnissen durfte ich dann erfahren, dass auch diese noch zu übertreffen waren! Wir begaben uns nun in den Bereich oberhalb einer Stromschnelle, die einen Höhenunterschied von ca. 1,5-2 Meter überbrückte. Innerhalb dieser Stromschnelle konnten verschiedene Grundeln sowie zwei Arten von Zwerggarnelen vorgefunden werden, von denen eine Art sehr den bei uns bekannten Pinoccio-Garnelen ähnelte!

Die Wasserbedingungen, hier oberhalb der Stromschnellen, waren allerdings etwas andere! Es herrschte ein pH Wert von 7,0 bei einem Leitwet von 380 µS/cm!

Eines fiel sofort auf, es war keine einzige Cryoptocoryne mehr zu entdecken. Dies wird sicherlich an den veränderten Wasserparametern liegen. Es ist ja bekannt, dass sich diese Wasserkelche auf Bedingungen im Gezeitenbereich angepasst haben. Gleichwohl war der Ausblick von oberhalb der Stromschnellen sehr schön. Man hatte einen guten Überblick über den Fluss, indem ich ja vor kurzem noch geschwommen und geschnorchelt hatte. Drehte man sich an dieser Stelle um, so war mit einem mal der untere Bereich vollkommen vergessen, denn man hatte den Eindruck, in einen Zauberwald zu blicken, in dem man von dem letzten Einhorn beobachtet wird! Dieses Gefühl verstärkte sich noch durch das Sonnenlicht, was durch die Baumwipfel strahlenförmig hindurchschien, und mir einen mystischen Eindruck hinterließ!

Der Fluss war hier oben schmaler geworden. Hatten wir im Unterlauf noch eine Breite von ca. 5-8 Metern, so waren es nun nur noch etwa drei Meter an der breitesten Stelle. Das Wasser erschien noch klarer, und man konnte genau den Grund erkennen, der aus feinem Kies bestand.

Es sah so aus, als ob das Wasser sich förmlich durch die Bäume geschnitten hatte. Links und rechts am Ufer lagen die Wurzeln komplett frei und es gab keine eigentliche Böschung, sondern das Ufer bestand aus einer Steilwand. Nachdem der Wald und der Fluss ausgiebig für Dokumentationszwecke fotografiert wurden, legte ich meine Schnorchelausrüstung an und wollte sogleich ins Wasser gleiten. Da man ja den Gewässergrund genauestens erkennen konnte, nahm ich an, dass es hier nicht sehr tief war. Ein Sprung ins kühle Nass war nicht angeraten!

Beim ins Wasser gleiten suchte ich instinktiv mit den Füßen nach festem Grund, was mir aber nicht gelang, sodass ich sofort versunken bin. Es stellte sich heraus, dass es an dieser Stelle über zwei Meter tief war. Ich hatte mich von der enormen Sichtweite täuschen lassen. Die Strömung war so stark, dass man sich flussaufwärts nur durch Ziehen an der Uferböschung fortbewegen konnte. Es machte aber enormen Spaß, sich mit der Strömung Flussab treiben zu lassen und dabei die Schwärme von Puntius binotatum und Rasbora parvei an sich vorbei ziehen zu lassen. Erstere hielten sich bevorzugt in der Mitte, in der stärksten Strömung auf, wobei letztere sich ausschließlich im beruhigtem Bereich entlang der Uferböschung aufhielten.

Andere Fische konnten zunächst nicht endeckt werden. Dann aber, wie aus dem nichts, kam mir ein Schwarm (Jungfische?) ins Sichtfeld! Im ersten Augenblick dachte ich junge Crenicichla oder ähnliches, was ja eine schlimme Faunenverfälschung gewesen wäre. Aber bei genauerem hinsehen war mir dann doch klar, dass es sich um junge Schlangenkopffische handeln musste!

Ich rief sofort nach meiner Frau Bianka, die mir dann auch meine Kescher reichte. Ich konnte relativ einfach mehrere Fische aus dem Schwarm herausfangen und anschließend in der mitgebrachten Fotokuevette ablichten! Die jungen Fische waren ca. 8 cm groß und teilweise hatten sie eine abweichende Schreckfärbung (siehe Abbildung*). Im Anschluss an die Fotos setzte ich die gefangenen Tiere wieder zurück in den Fluss, denn mir war klar, dass es sich um Jungtiere handelte, und die ausgewachsenen Fische würden sich sicherlich nicht unbedingt für ein normales Aquarium eignen!

Danach wurde mir allerdings klar, daß ich von dem Schwarm nur eine einzige Unterwasseraufnahme gemacht hatte. Wie es immer so ist, weiß man ja nie, ob diese dann auch technisch in Ordnung ist, da es sich seinerzeit noch um Dias handelte! Also noch mal ins Wasser und den Schwarm erneut suchen. Ich suchte unter Wasser alles auf eine Länge von ca. 300 Meter ab. Weiter kam ich nicht, denn es wurde zu eng. Aber die jungen Schlangenköpfe blieben verschwunden! Danach blieb mir nichts anderes übrig, als mit meiner Unterwasser-Lampe die Überhänge der seitlichen Böschung, die teilweise bis ca. 2 Meter unterhöhlt war, abzusuchen.

Etwa auf halber Strecke fiel mir bei der konzentrierten Suche, „vor Schreck“, fast das Mundstück meines Schnorchels aus dem Mund! In etwa 1,5 Meter Entfernung befand sich, genau Auge in Auge mit mir, ein ca. 40 cm großes Elterntier von Channa lucia , inmitten des gesuchten Jungfischschwarms! Das Tier zeigte angesichts der tief unterhöhlten Böschung, unter der es sich zum Schutz befand, keinerlei Scheu. Nachdem ich zum Luftholen auf- und erneut wieder abgetaucht war, erkannte ich bei genauerem hinsehen sogar noch ein zweites, etwas kleineres Elterntier. Natürlich wurde auch dieses Familienglück im Bild festgehalten und ich glaube, einen schöneren Abschluss dieses Ausfluges kann man sich nicht vorstellen!

Ich denke, diese Geschichte zeigt einmal mehr, dass das Land des Lächelns immer eine Reise wert ist, und dass man ohne weiteres auch als normaler Aquarianer noch Neues und Spannendes entdecken kann. Zum Schluss noch eine Anmerkung: wir waren im Jahr darauf nochmals an diesem schönen Ort , waren aber entsetzt, denn mitlerweile gab es eine geteerte Straße dorthin und der Platz war voller Touristen. Allerdings kam anscheinend keiner von ihnen auf die Idee, hier auch zu baden, denn sie liefen alle nur, auf bereits gebauten Holzstegen, durch den leicht überfluteten „Zauberwald“ und erfreuten sich an dem Anblick!

Ich bin natürlich wieder zum Schnorcheln ins Wasser und habe meine Lieblinge gesucht! Nach einer halben Stunde Suche fand ich sie an der „selben“ unterhöhlten Stelle wieder, allerdings leider diesmal ohne Junge, aber doch wohlauf!

Dies zeigte mir, dass die Natur „noch“ in Ordnung ist, aber wie lange noch? Wir werden auf jeden Fall wieder kommen und nach unseren Lieblingen suchen! Auf Wiedersehen in Pa Bon!

Armin Senger, Aquarienverein Hildesheim

Literaturnachweis:

Kasselmann, Ch.; DATZ-Atlanten, Aquarienpflanzen, 1995

Seuß, W., Aquaristik aktuell, Ausgabe 3/93, S. 8, 1993

Cryptocoryne ciliata Unterwasser

Halb und Halb Aufnahme

Biotopaufnahme