Julidochromis dickfeldi

Julidochromis dickfeldi – Schlankcichliden aus dem Tanganjikasee

Nachdem ich in der letzten Fishlight-Ausgabe über Barben- bzw. Salmlerthemen berichtet habe, fröne ich im vorliegenden Artikel mal wieder meiner alten Passion, den Cichliden aus dem ostafrikanischen Tanganjikasee. Diesmal stelle ich Dickfelds Schlankcichliden aus der Gattung Julidochromis vor.

Nachdem ich bereits mit anderen Arten aus der Gattung beste Erfahrungen gesammelt hatte, schwammen mir vor gut sechs Jahren bei einem befreundeten Fachhändler wunderschöne große Julidochromis dickfeldi vor die Nase. Das war so verlockend, weswegen eine Gruppe von 8 Tieren die Heimreise mit antreten durfte.

Die Gruppe zog zu Hause in ein 160 L-Becken ein, das mit einem Steinaufbau aus Plattenkalken und Sandboden ausgestaltet war, den typischen Gestaltungselementen für ostafrikanische Seecichliden-Becken. Als Mitbewohner standen ihnen eine Gruppe von Kärpflingscichliden  Cyprichromis leptosoma „Utinta“ und einige Tanganyikasee-Fiederbartwelse aus der Gattung Synodontis zur Seite. Da die Schlankcichliden eher ihren „Wirkungskreis“ in den Steinaufbauten einnehmen, die Kärpflingscichliden als Tiere des freien Wasserraums gelten, die Welse zumeist ein eher bodenorientiertes Leben bevorzugen, sollte diese Artenkombination gut „funktionieren“. So war es denn auch!

Bei Dickfelds Schlankcichliden handelt es sich um Buntbarsche, die eine maximale Größe von etwa 12 cm erreichen können. Sie haben analog zu ihren Gattungsgenossen eine länglich schlanke Körperform, was Veranlassung für ihre deutsche Namensgebung war. Wohl war, es sind keine Farbfroheiten, die mit der bunten Pracht eines Riffaquariums in Konkurrenz treten. Jedoch sind es aus meiner Sicht auch ohne knallige Farben attraktive Fischlein. Ihre Körpergrundfärbung besteht aus einem cremefarbenen Kleid, dem auf den Flanken und am Rücken mehrere schwarze Horizontalstreifen einen interessanten Kontrast verleihen. Diese Streifen reichen vom Kopf bis zum Ansatz der Schwanzflosse.

Erwartungsgemäß nahmen die Tiere auch ihre Felsenbehausung in Beschlag, in der jedes der Tiere zunächst eine eigene Nische in Besitz nahm. Ihre Körperform ermöglicht es ihnen, auch in die kleinsten Fugen und Ritzen der Steinaufbauten zu gelangen. Das zeigt auch, dass die Tiere an das Leben im Felslitoral, wie der Fachmann sagt, angepasst sind. Meine neuen Mitbewohner hatten einen Größenbereich von etwa 8-10 cm bereits erreicht. Nach vorliegender Information handelte es sich um Nachzuchttiere. Bei den Julidochromis-Arten ist es üblich, dass die weiblichen Tiere größer als die männlichen werden. Somit schien meine Gruppe aus 5 Weibchen und 3 Männchen zu bestehen.

Das Wasser weist einen pH-Bereich von etwa 7,5-7,8 sowie eine Gesamthärte von ungefähr 13-16° dGH auf. Um die Nitrat-Belastung und den Keimdruck im Becken zu begrenzen, erfolgt monatlich ein mindestens 80%iger Wasserwechsel. Zur Filterung des Wassers sind zwei  Mattenschnellfilter mit Lufthebersystem im Einsatz. Die Wassertemperatur liegt im Bereich von etwa 22-24°C. Da ich ein ausgesprochener Freund botanischer Aspekte bin, habe ich der Unterwasserfelslandschaft noch ein paar Anubien (afrikanische Speerblätter) zur Begrünung spendiert.

Die Tiere leben in ihrer Heimat bevorzugt von Kleingetier, gehen aber auch gerne an Augwuchs heran. Daher wird ihnen auch eine abwechslungsreiche Ernährung mit gefrosteten Cyclops, weißen Mückenlarven und Artemien, sowie unterschiedlichen Flocken- und Granulatfuttersorten geboten.

Meine Schlankcichliden gewöhnten sich schnell ein und zeigten alsbald ihr Wohlbefinden dadurch, dass sich Pärchen bildeteten, die eine eigene Höhle als Revier besetzten. Dies verteidigten sie gegenüber den anderen Mitbewohnern. Ansonsten muss ich aber klar feststellen, dass es umgängliche Buntbarsche sind, die sonst keine weitere Aggressivität an den Tag legten.

Bei den Julidochromis-Arten handelt es sich um typische Höhlenbrüter, die ihre Bruthöhle gegen Eindringlinge verteidigen. So war davon auszugehen, dass in meinem Aquarium mit der Paarbildung und anschließenden Inbesitznahme der Höhlen ein Ablaichen erfolgen müsste. Und so geschah es denn auch. Mindestens 2 Paare laichten ab, sodass die Jungen mit einer Größe von etwa 8-12 mm am Eingang der jeweiligen Bruthöhleneingang zu beobachten waren. Interessant war, dass sicher nicht die gesamte Brut in diesem Becken aufkommen konnte. Trotz der Wels-Mitbewohner wuchsen mehrere Jungtiere heran, die im bzw. am elterlichen Revier verblieben. Nun trug sich folgendes zu: Die Elterntiere laichten erneut ab, ohne dass es zu Konflikten mit den alten Jungtieren kam. Dieses Phänomen ist in der Aquaristik schon lange als „Etagenzucht“ bekannt. Das erlebte ich auch schon früher mit anderen Schlank- oder Schneckencichliden-Arten. Es muss aber ganz klar gesagt werden, dass diese extensive Nachzucht-Strategie keine Jungtier-Massen erbringt! Will man dieses erreichen, sollte man die Tiere paarweise in einem Artbecken unterbringen, muss die Jungtiere dann gezielt aus dem Elternbecken herausfangen und in einem separaten Behältnis aufziehen. In dem oben beschriebenen Gesellschaftsaquarium habe ich den Jungtieren kein gesondertes Futter zugeführt. Sie haben durch den Mikroorganismen-Bewuchs auf den Kalkplatten wie auch durch die oben beschriebenen Futtermittel eine ausreichende Nahrundgrundlage gefunden.

Obwohl die Freunde der ostafrikanischen Seecichliden sich mit einem derzeit nicht so sehr angesagten Thema beschäftigen, möchte ich die Aufmerksamkeit auch mal wieder auf diesen Aquaristik-Bereich lenken. Bei den Schlankcichliden-Arten aus dem Tanganjika-See handelt es sich um interessante und dankbare Pflegling, die mit Fug und Recht empfohlen werden können. Jedoch sollte man nicht auf den Gedanken kommen, diese Tiere mit afrikanischen oder südamerikanischen Salmlern aus Schwarzwasser-Biotopen zu vergesellschaften. Das wäre in etwa so, als würde ein Sahara-Kamel in der Antarktis ausgesetzt werden. Es gilt ganz allgemein in der Aquaristik: vorher Erkundigungen zu den aquaristischen Planungen einholen, prüfen , ob es passt. Erst dann in Aktion treten. Sonst sind unerwünschte Verluste und eine unnötige Tierquälerei vorprogrammiert. Und das wollen wir in Betracht mancher Polemik, die aktuell durch Presse und Politik geistert, vermeiden!

Eckhard Fischer, Aquarienverein Hildesheim

Julidochromis dickfeldi – Dickfelds Schlankcichlide, Pärchen

Julidochromis dickfeldi – Dickfelds Schlankcichlide, Pärchen

Julidochromis dickfeldi – Dickfelds Schlankcichlide, Weibchen

Julidochromis dickfeldi – Dickfelds Schlankcichlide, Weibchen