Die Madeira-Grundel

Maulogobius maderensis – Die Madeira-Grundel (Valenciennes, 1837)

Blick aufs Bioptop

Dieses Jahr 2020 hatten wir sehr viel Glück, dass wir vor dem großen „Corona-Ereignis“ noch auf den letzten Drücker unsere Teneriffa-Reise zum Lichttanken durchführen konnten. Ein erster Vorfall hatte sich im Touristengürtel im Süden der Insel ereignet, wo in einem Hotelkomplex italienische Besucher das Virus „importiert“ hatten. Der entsprechende Gebäudekomplex wurde umgehend unter Quarantäne gestellt, wie wir hörten. Allgemein schien das Thema eher weit entfernt und man betrachtete es wie die jährlichen Influenza-Wellen. So erging es uns auch. Wir hielten uns weit ab des Massentourismus im Nordwesten der Insel in der Finca Costa Salada auf. Das bedeutet übersetzt „salzige Küste“. Die Finca befindet sich nämlich ruhig gelegen direkt an der Küste umgeben von Landwirtschaft. Die Meeresbrandung ist ein steter und zugleich beruhigender Begleiter.

Der Mitautor bei der Bestandsaufnahme

Dieses Jahr hatten wir im doppelten Sinne Glück: der berühmte Calima, ein Sandsturm, der mit Ostwind Saharasand mitbringt, führte den Taktstock. Unser Flieger war der letzte, der auf der Insel noch landen durfte. Viele andere wurden aufs Festland umdirigiert. Zudem konnten wir unsere Vorhaben bis auf den üblichen Besuch des Botanischen Gartens in La Paz, ein Teil von Puerto de la Cruz, komplett umsetzen. Am letzten Tage vor Ort, es war gerade Ebbe, herrschte wieder der übliche Gezeiteneinfluss vor. In der Küstenstruktur aus Lavagestein verblieben viele Wasser gefüllte Pfützen und Gezeitentümpel zurück. Was kommt da einem Aquarianer in den Sinn. Schau´mer mal, ob man was Interessantes findet.

Eine der Gruppen

So sind wir dann bewaffnet mit der Kamera losgezogen. Und es gab was zu entdecken.

Leicht konnte man ohne schwierigen Kletteraufwand einen großen Gezeitentümpel erreichen. Mit scharfem Auge war eine Gruppe kleiner Fische zu beobachten, die sich hier recht munter ihres Daseins erfreuten. Auf den zweiten Blick erkannten wir, es waren Grundeln. Diese waren für uns aber nicht spontan genauer zuzuordnen. Es gab größere und kleinere Tiere, nicht nur unter den augenscheinlich ausgewachsenen Tieren. Einige waren sogar recht kontrastreich gefärbt. Das legte den Verdacht nahe, dass es sich um eine Gruppe aus Männchen und Weibchen handelt, in der auch einige Jungtiere aufkommen. Während der Ebbe sind sie im „freien Wasser“ recht sorglos am Herumtollen. Vermutlich während der Flut suchen sie dann wieder im Felslitoral Unterstände auf, um nicht räuberischen Tieren zum Opfer zu fallen.

 

Man beachte die Krabbe

Felsenschnecke

Wir hielten nach weiteren Unterwasserbewohnern Ausschau. Weitere Fische waren nicht zu entdecken. Wir hofften noch auf Garnelen, wie der Kleine Felsengarnele – Palaemon elegans. Diese hatten wir einige Jahre zuvor etwas weiter nördlich in einem Gezeitentümpel angetroffen. Wir konnten lediglich eine Schnecke entdecken, die wir allerdings bisher noch nicht näher bestimmen konnten. Auch eine Krabbe trafen wir an, ob es sich allerdings um die Felsenkrabbe (Percnon gibbesi) konnten wir nicht genauer feststellen.

Nun bleibt noch die Frage: was hatten wir da für eine Grundel entdeckt?

Alphamännchen

Weibchen

Unterdrücktes Männchen

 

 

 

 

 

 

 

Eine Internet-Recherche ergab recht zügig, dass es sich um die Madeira-Grundel handelt. Ihr Vorkommen reicht von den Kanarischen Inseln und Madeira über den Ostatlantik, wo bevorzugt Felsbiotope an Küsten besiedelt werden. Sie werden bis zu 15 cm groß, was sich durch die eigenen Biotop-Beobachtungen nur bestätigen lässt.  Der bevorzugte Temperaturbereich liegt um die 20°C herum.

Beschreibungen über aquaristische Erfahrungen konnten wir nicht finden. Bei (1) lassen sich Hinweise finden, dass die Tiere Flockenfutter akzeptieren, sich in der Natur von am Bodensubstrat lebenden Kleintieren, aber auch Zooplankton ernähren. Als Beckengröße für eine Aquarienhaltung wird ein Volumen von 100 L angegeben. Somit ist anzunehmen, dass es in Einzelfällen schon zur aquaristischen Pflege dieser Tiere gekommen ist. Wahrscheinlich ist aber, dass es hier eher öffentliche Schauaquarien sein werden, die diese Tiere hältern. Weitere Angaben konnten wir nicht recherchieren. Auf alle Fälle dürfte es sich besonders durch die geringe Größe um einen interessanten Vertreter für ein gemäßigtes bis subtropisches Meerwasseraquarium handeln.

Katrin und Ecki Fischer,

Aquarienverein Hildesheim

 

Literatur:

  • https://www.meerwasser-lexikon.de/tiere/4782_Mauligobius_maderensis.html, 21.06.2020
  • https://www.fishbase.de/summary/Mauligobius-maderensis.html, 26.07.2020

 

PanthaRhei