Bodengrund

Der Bodengrund im Aquarium

Als ich 1972 mit dem Aquaristik-Virus infiziert wurde, war insbesondere auch das Thema Bodengrund für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Aus einer kleinen Aquaristik-Taschenfibel entnahm ich solche Geschichten, dass zu Zeiten unserer Urgroßväter beispielsweise Kuhdung mit überschichtetem Sand verwendet wurde. Damit sollte dem Unterwassergarten zu unermesslicher Dynamik verholfen werden. Nun kann ich mir hierbei alles andere vorstellen, als dass hiermit das gewünschte Ziel erreicht wurde. Sicher war auch die sich damit im Aquarium bildende Brühe lecker, appetitlich und ein Quell unabdingbarer Freude für Bakterien und anderes Kleingetier. Solche Gedanken sollten wir schleunigst wieder aus unserem Kopf verbannen.

Allerdings ist der Gedanke mit den Nährstoffen für unsere Unterwasserpflanzen trotzdem nicht abwegig. Ich entsinne mich daran, wie mir meine Eltern von einer Familienfeier aus den Niederlanden ein neues Aquarium mitbrachten, denn bekanntermaßen vermehren sich diese Wasserkisten manchmal wie die Flöhe. Dazu gab es Bodengrund aus Vulkansteinbruch und zwei Packen kneteartigen Ton, der den Pflanzen Beine machen sollte. Mit meinen guten Niederländisch-Kenntnissen vernahm ich dann, man sollte den Ton zu kleinen Würstchen kneten und unter den Bodengrund geben. Gesagt, getan – Londoner Nebel war nichts dagegen. Das ganze Becken war trüb. Nicht nur das, mit meinen landläufig gefürchteten Feinmotorik-Fähigkeiten hatte ich mir an den Fingern einige saubere Schnitte gesetzt, denn das Knetzeug musste mit einem scharfen Messer dosiert zugeschnitten werden. Das war für mich also auch keine Lösung.

So habe ich dann weiter ins Land gehorcht und viel gelesen, was zu dem für mich bis heute gültigen Ergebnis führte. Ich betone allerdings, dass ich hiermit keinen Absolutheitsanspruch erhebe.

Der Bodengrund ist für unseren Lebensraum Aquarium ein elementar wichtiges Element, das unterschiedliche Funktionen erfüllen muss. Es dient als Gestaltungselement in Abhängigkeit davon, welche aquaristische Unterwasserwelt wir nachstellen. Wie eingangs schon angerissen, ist es das Substrat für unsere Aquarienpflanzen. Es bietet Halt für das Wurzelwerk und versorgt viele Pflanzen mit Nährstoffen. Hier tummeln sich aber auch sehr viele Mikroorganismen, die wichtig für das Biotopmilieu des Aquariums sind. Ich möchte hier nur an den Abbau von Nährstoffen erinnern. Doch was für Bodengrund-Materialien kann man nun empfehlen, wo ich mich auf die Wesentlichen beschränken möchte. Wichtig ist, dass der Bodengrund keine Schadstoffe wie Schwermetalle an das Wasser abgibt. Mit Ausnahmefällen will man auch eine Aufhärtung des Wassers durch kalkhaltige Bodenmaterialien vermeiden (zu der Ausnahme später). In der Regel sollten die Bodenmaterialien auch nicht scharfkantig sein, da sich gründelnde Fische wie Panzerwelse verletzen würden.

Für die meisten Aquarien (unabhängig ob Nano oder nicht-Nano) hat sich guter kalkfreier Silikatkies mit einer Körnungsabstufung von etwa 1-3 mm erwiesen. Auch gröberer Kies kann je nach Unterwasserwelt gut sein, wenn man zum Beispiel eine Flusslandschaft nachahmt. Hier können noch gröbere Flusssteine als Gestaltungselement mit eingebracht werden. Auch diese sollten ebenfalls nicht das Wasser durch Abgabe von Schadstoffen negativ beeinflussen. Nun fehlt noch die Antwort auf die Gretchenfrage, heller oder dunkeler Kies. Naja, hier lässt sich keine gesetzesartige Richtlinie vorgeben. Ich bin und bleibe ein Freund von einer mittleren bis dunklen Kiesfärbung, was ich optisch auch als angenehmer empfinde. Mitteldunkle Farbtöne habe ich zudem schon in zahlreichen Fließgewässern angetroffen.

Manchmal kann man im Fachhandel auch Vulkanbruch erhalten, der zumeist eine dunkelrote bis dunkelbraune Färbung aufweist. Interessant an diesem Bodenmaterial ist, dass es bedingt durch zahlreiche Kleinstzwischenräume eine große innere Oberfläche aufweist. Es kann sich somit günstig für den Nährstoffhaushalt bezüglich der Bepflanzung auswirken. Nachteil ist seine Scharfkantigkeit!

Häufig erhält man im Fachhandel auch Bodengrund aus kleinen runden, rotbraun gefärbten Tonkügelchen (Aquaclay). Diese weisen ähnlich wie der Vulkanbruch zahlreiche Kleinstzwischenräume und damit vergleichbare Eigenschaften auf, sind allerdings deutlich leichter. Daher schwimmt ein Großteil des Materials beim Ersteinsatz erst einmal auf. Es empfiehlt sich, das Material vor dem Einsatz ins Aquarium zunächst gut zu wässern. Der Ton saugt das Wasser regelrecht auf, und die Teilchen schwimmen durch die sich ergebende Gewichtszunahme nicht mehr auf. Gegenüber dem Vulkanbruch haben die runden Tonkügelchen einen großen Vorteil, sie sind nicht scharfkantig.

Feinkörniger Quarzsand empfiehlt sich beispielsweise bei der Einrichtung von Becken für Cichliden aus dem afrikanischen Tanganyika- oder Malawisee. Dieses Material ist ideal für futtersuchende Barsche, die den Bodengrund auf Nahrungssuche häufig richtig durchkauen. Auch ist das Material für bestimmte Arten vorteilhaft, wenn bei Balz- oder Laichaktivitäten gebuddelt werden muss. Der Sand hat noch einen Vorteil. Durch seine Lagerungsdichte können keine Futterreste und Fischkot einsinken. Der „Dreck“ lässt sich mit einem Schlauch bequem abziehen. Man sollte aber darauf achten, dass man gewaschenen und gebrannten Quarzsand ersteht. Dann lassen sich nämlich unerwünschte Erlebnisse vermeiden, wenn der Sand noch Feinstpartikel enthält, die das Becken in eine trübe Einöde verwandeln.

Kalkhaltiges Bodenmaterial ist dann erwünscht, wenn man ein Wasser mit einem höheren pH-Wert und einer guten pH-Pufferung erzielen will. Letzteres gilt beispielsweise für die vorgenannten Cichlidenbecken. Hier kann feiner Korallenbruch eingesetzt werden. Durch die Abgabe von Kalk erhält man meistens ein alkalisches und gut gepuffertes Wassermilieu.

Abschließend will ich ein paar Hinweise zum Einbringen des Bodengrundes geben. Es empfiehlt sich, im Vordergrund des Beckens mindestens eine Mächtigkeit von etwa 5 cm Bodengrund zu wählen, die nach hinten ansteigend bis über 10 cm erreichen kann. Dies bietet den Pflanzen dann ausreichend Wurzelraum. Aber auch für ausreichend Durchlüftung des Bodengrunds ist gesorgt. Auf einer der Aquarienbörsen wurde ich gefragt, ob man Silikatkies mit Quarzsand mischen könne. Hiervon würde ich abraten. Der feine Sand würde die Zwischenräume der Kiesteilchen zufüllen und eine negative Auswirkung auf die Bodendurchlüftung haben. Es können sich dann luftfreie Zonen im Bodengrund bilden, übelriechende Gasblasen steigen irgendwann auf. Auch der Pflanzenwuchs gerät ins Stocken und Unterwassergetier kann sterben. Das Becken kann quasi „umkippen“.

Empfehlen möchte ich sogenannten Düngesand, der im Fachhandel von unterschiedlichen Herstellern erhältlich ist. Es handelt sich um Sandmaterial, dass mit einem ausgewogenen Nährstoffanteil ausgestattet ist. Ich habe dieses Material in einer dünnen Schicht von maximal 1 cm in vielen meiner Becken unterhalb der Hauptbodenschicht eingebracht und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich meine hier, eine Wirkdauer des Düngerdepots von bis zu 2 Jahren bemerkt zu haben.

Auf einen letzten Aspekt möchte ich noch eingehen. Im Handel lassen sich diverse quietschbunte Bodenmaterialien erstehen. Wer´s mag, der soll´s sich denn antun. Es handelt sich um Kies, der mit Lebensmittelfarben das poppige Outfit verliehen bekam. Das wirkt bestimmt sehr natürlich. Ich habe jedenfalls mit solchem Material einmal bei einem Nanobecken schlechte Erfahrungen gesammelt, da ich spontan auf der Suche nach dunklem Bodengrund war. Und da war nur dieses Zeug greifbar. Mir ist irgendwann das Wassermilieu umgekippt, trotz sparsamer Fütterung, Filterung und Wasserwechselei. Kurzum, so was kommt mir nicht wieder ins Haus!

Eckhard Fischer, Aquarienverein Hildesheim

Vulkansteine

Quarzkies

Quarzsand