Pinselalgen

Pinsel- und Bartalgen – aquaristische Plagegeister

Es gibt wohl nur wenige Aquarianer, die noch keine unangenehme Bekanntschaft mit Algen im Aquarium machen durften. Algen sind wie andere Mikroorganismen auch in unseren Aquarien allgegenwärtig. Als besonders berüchtigte Vertreter haben sich die zumeist aus dem Nichts wachsenden Bart- und Pinselalgen einen Namen gemacht. Es soll trotzdem einige wenige Aquarianer geben, die diese Algen sogar als willkommenes Dekorationselement kultivieren. Die Bart- und Pinselalgen treten zumeist in büscheliger Form an der Aquariendekoration, an den Scheiben und den Blatträndern von Wasserpflanzen festsitzend auf und verschandeln das optische Bild eines Aquariums. Diese Algenbüschel setzen sich aus einzelnen, dunkelgrau bis schwarz gefärbten Fäden von etwa 2-12 mm zusammen. Die Fäden haften mit sogenannten Basiszellen so fest auf ihrem Substrat, dass jegliche Mühen zur mechanischen Beseitigung sinnlos erscheinen. Die Basiszellen bleiben zurück, treiben erneut aus und man ist genauso weit wie vorher.

Die folgenden Hinweise sollen ohne einen Absolutheitsanspruch den steinigen Weg zur Beseitigung dieser Plage ein wenig ebnen helfen. Jedenfalls benötigt man viel Geduld. Der Weg über die anscheinend bequeme chemische Keule (häufig kupferhaltig) sollte außen vor bleiben, da eher unsere eigentlichen Aquarienpflanzen und die Fische Schaden erleiden!

Bei unseren Plagegeistern handelt es sich trotz ihrer dunklen Erscheinung um Rotalgen, die zumeist aus Rhodochorton-Arten (Pinselalgen) und Compsopogon-Arten (Bartalgen) bestehen. Diese Algen stammen aus tropischen Gefilden und verbreiten sich leicht über Sporen. Hierdurch wird deutlich, wie diese „Unwesen“ in unsere Aquarien gelangen konnten, vornehmlich über neu eingebrachte Pflanzen und Fische. Stellen sich für die Algen nun günstige Milieubedingungen ein, beginnt ein heftiger Algenwuchs oder auch Algenblüte genannt.

Was sind nun mögliche, auslösende Faktoren für eine Explosion von Bart- und Pinselalgen:

  • Basische pH-Werte oberhalb von pH 7 und eine Wasserhärte von über 12° dGH  bieten ein gutes Wuchsmilieu.
  • Sauerstoffkonzentrationen von zumeist deutlich über 6 mg/l (und damit auch eine  höhere Redoxspannung = oxidative Verhältnisse).
  • Übermäßige Nährstoffanreicherungen von Nitrat mit 50 mg/l und mehr bzw. Phosphat mit über 1 mg/l.
  • Belastung des Wassermilieus mit organischen Stoffen.
  • Ungünstige Beleuchtung mit hohem Blauanteil im Lichtspektrum.
  • Schlechter Pflanzenwuchs.

Haben sich nun die beschriebenen „apokalyptischen“ Verhältnisse in unserem Aquarium etabliert, kann eine selbstkritische Analyse über die bisherige Pflegepraxis schon eventuelle Ursachen ans Tageslicht befördern. Hieraus lassen sich dann zielorientiert Gegenmaßnahmen einleiten. Diese können zusammengefasst so aussehen:

  • Verringerung des Fischbesatzes.
  • Reduzierung des Futtereinsatzes.
  • Vermeidung von Sauerstoffübersättigungen und damit auch eine Senkung der Redoxspannung, z.B. durch Reduzierung der Filterleistung oder des Sauerstoff-(Luft-) Eintrages.
  • Regelmäßige Wasserwechsel (ruhig deutlich über 50% des Beckenvolumens zweiwöchentlich).
  • Beseitigung „befallener“ Pflanzenblätter.
  • Entnahme und Auskochen von Dekorationsgegenständen wie Steinen, Holz oder Kokosnussschalen, anschließend nach Abkühlen wieder ins Aquarium geben.
  • Senkung des pH-Wertes und der Wasserhärte, z.B. über den Betrieb einer CO2-Anlage (soweit man keine Fische aus basischen Gewässern wie Tanganyika- oder Malawisee-Cichliden pflegt!!).
  • Kultivierung von schnellwüchsigen Aquarienpflanzen wie z.B. Ceratopteris-Arten, um ein pflanzengünstiges Wassermilieu zu erreichen.
  • Beleuchtung mit Lichtquellen ohne erhöhten Blauanteil (z.B. Tageslicht-Leuchtstoffröhren).
  • Einwöchige komplette Abdunklung des Beckens (anschließend Beleuchtungsdauer sanft steigern).
  • Einsatz von algenfressenden Fischen, z.B. der Siamesischen Rüsselbarbe (Epalceorhynchus siamensis) oder Bodensalmlern (Characidium brevirostre, Parodon affinis), oder Zwerggarnelen (Caridina japonica).

Sollten nun über einen längeren Zeitraum keine Gegenmaßnahmen anschlagen, muss man in den sauren Apfel beißen und die Rosskur wählen. Das heißt: Ausräumen und komplette Neueinrichtung des Aquariums. Dekorationsteile können wie oben beschrieben ausgekocht und wieder verwendet werden. Das Becken selbst und der Bodengrund sollten vor einer  Neueinrichtung desinfiziert werden. Der Bodengrund kann z.B. entnommen, ausgewaschen und ebenfalls ausgekocht werden. Das Becken kann mit Ethanol ausgewischt werden (das Ethanol verdampft rückstandslos von selbst). Alternativ ist der Einsatz eines starken Oxidationsmittels wie Kaliumpermanganat oder H2O2 möglich, hierbei sind allerdings äußerste Vorsicht geboten und zwingend die beigefügten Anwendungsanweisungen (Sicherheitsdatenblätter) zu beachten!! Die Altpflanzen sollten ins neu einzurichtende Becken besser nicht wieder eingebracht werden, weil man damit eine umgehende Neuinfektion riskieren würde. In der weiteren Praxis sollten nun zur Algen-Prophylaxe auch die oben beschriebenen Gegenmaßnahmen im Auge behalten werden, denn, nur ein ausbalanciertes Becken bietet die beste Position gegen unerwünschte Algenblüten. Viel Erfolg!

Eckhard Fischer, Aquarienverein Hildesheim

 

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